Leos Reise

@MeineVierbeinewelt

Was Leo wirklich erlebt hat, kann man nicht mehr genau nachvollziehen, aber sein Kopf und die Schädelbilder zeigen eine Verformung, die wohl von einem Schlag mit einem - vermutlich Eisenrohr - rührt. Irgendjemand hat versucht, ihn zu erschlagen, es aber nicht geschafft. Er hat Glück gehabt, nach all der Zeit seines Leidens hat er nun seinen Platz gefunden, haben wir ihn gefunden.


Da liegt er nun, der Leo. Auf unserem Sofa. Gerade mal ein paar Tage sind vergangen, seit er bei uns angekommen ist. Noch trauen wir uns nicht, das Sicherheitsgeschirr abzunehmen, aber er scheint sich schon recht sicher zu fühlen.

Kurze Zeit zuvor war dieser Platz noch von Willi besetzt.


Am 13. August 2021 mussten wir - schneller als gedacht - den Willi gehen lassen. Er war wahrscheinlich so etwa 13 Jahre alt. Angeblich jünger. Glauben wir aber nicht. Egal. Wir haben ihn loslassen müssen. :( Wir alle wissen ja, wie sehr sie einem im Herz verwachsen und wie schwer das mit dem Gehen lassen ist. Er fehlt immer noch immer und überall. Wir sind immer noch so traurig. Es schmerzt so sehr. Wir haben so viel von und mit ihm gelernt. Ich könnte sehr viele Seiten füllen. Er ist immer in unserem Herzen.

Willi am 12.8.2021 - Donnerstag

Nach Willis Abschied, haben wir uns schnell entschieden, wieder einen Hund zu haben und so ist Leo zu uns "geraten". Und das Leben schreibt Geschichten, auch die von Leo.


Ein ganz anderer Typ Hund. Wirklich ganz ganz anders als Will. Während Willi (Herdenschutzhund-Mix) der grummelige, etwas launische sehr selbst-bewusste und selbstbestimmte Hund war - ganz im Sinne von "ich kann das schon selbst entscheiden", ist Leo auch nicht ängstlich aber doch sehr vorsichtig, beobachtend, manchmal sogar devot. Aber durchaus nicht doof. Er wusste und weiß schon sehr gut, wie man sich so durchs Leben fuchst. Vereint sind sie beide in ihrem ausgeprägtem Bedürfnis nach "Fressen" und "Fressen finden".

Nun hat er auch allen Grund, vorsichtig und auch etwas misstrauisch zu sein. Schaut man sich seinen Kopf an, so lässt sein deformierter Schädel vermuten, dass jemand irgendwann einmal erfolglos versucht hat, ihn - vermutlich mit einer Eisenstange - zu erschlagen. Alles deutet darauf hin. Er muss damit herumgelaufen sein, schon lange, bevor er in Rumänien in Obhut genommen wurde. Ich will gar nicht so genau wissen, was da damals passiert ist und warum, aber auch dort hatte er schon eine OP.


Wir kennen seine komplette Geschichte nicht, aber sie ist sicher nicht lustig gewesen. Anfang letzten Jahres ist er dann wohl noch in eine Beißerei geraten und im Zuge

dessen wurde sein rechtes Auge entfernt. Dies hat wohl schon lange Probleme bereitet.


Leo, der eigentlich Leonas heißt, ging es schon bald besser. Alles schien gut verheilt und so durfte er im September die Reise nach Deutschland antreten. Mit einem kleinen Zwischenstopp kam er dann munter bei uns an..




Und er hat nicht einmal einen Tag benötigt, um herauszufinden, dass es wohl ganz schön prima ist, in einem richtigen Zuhause zu leben. Soviel weiche Betten, die es hier für ihn gibt. Noch heute sucht er nach neuen Varianten im Haus und probiert immer wieder aus, wo es vielleicht noch gemütlicher sein könnte.



Weil wir den Plan hatten, in dieser Zeit einen kleinen Abstecher ans Meer zu machen, haben wir ihn, gerade eingetroffen hin - oder her, direkt eingepackt und mitgenommen.

Er hatte viel Spaß und es war wunderschön zu sehen, wie er seinen allerersten Tag am Meer erlebt hat. Und Helgoland hat er jetzt auch mal gesehen. Inklusive Fähre, Rundgang und allem, was man da so macht. So ein Pirat gehört ja nun auch mal aufs Schiff.


Leo und das Meer


Leo auf Helgoland


Und dann muss er natürlich gemalt werden

Nun ist er also hier bei uns und wir haben schon einiges erlebt. Leo ist ein Hund, der trotz seiner Erfahrungen mit Menschen immer wieder auf sie zugeht. Er strotzt nur so vor Optimismus und Lebensfreude. Ich schaue ihn an, sehe in sein Auge, betrachte seinen deformierten Kopf und es haut mich immer wieder um, weil ich sehe, wie stark dieses Tier ist, wie fürsorglich er ist, wie vertrauensvoll, wie selbstverständlich er sich in unser Leben eingefügt hat und Teil unserer Familie geworden ist. Ich wünschte, wir Menschen könnten genauso sein. Genauso selbstverständlich, genauso bemüht, genauso ehrlich und geradlinig.


Viele schöne Tage, aber auch furchtsame und sorgenvolle haben wir in der kurzen Zeit mit ihm erlebt, denn leider musste er schon zwei große OPs über sich ergehen lassen. Eine "Altlast", die er mitgebracht hat, eine Folge dieses unsäglichen und brutalen Totschlagversuchs.


Die erste OP

Nachdem wir also eine schöne Woche mit ihm erlebt haben, entwickelte sich bei ihm ein Abszess am Kopf. Wir dachte, dass es schnell wieder vergeht, aber leider stellte sich heraus, dass es wohl eine alte Fistel ist, die sich nicht beruhigen wollte. Es wurde schnell schlimmer.


Schneller erzählt als gedauert: Tierklinik, CT, Operation, Säubern und was alles dazu gehört. So, haben wir gedacht, das musste wohl noch einmal sein. In Rumänien gibt es leider nicht immer eine gute Versorgung, obwohl es viele Menschen gibt, die sich dort engagieren und ihr bestes geben. Sie tun, was sie können.

Der Leo nach der OP, schon wieder ganz gut beisammen.


Und dann: Nach einigen Wochen. Endlich wieder ohne Tüte am Kopf


Er hat sich schnell erholt und während dieser Zeit fast nichts von seinem Optimismus und seiner Lebensfreude verloren. Es folgte wieder eine schöne Zeit mit ihm.


eine schöne Zeit


Leo genießt sein Leben


Und dann Die zweite OP

Vor Weihnachten - ich mache es wieder kurz - mussten wir tatsächlich genau das selbe noch einmal durchstehen. Ich möchte nicht die ganze Krankengeschichte erläutern, nur kurz. Fisteln möchten sich manchmal nicht beruhigen und sind einfach ekelhaft - und sie können wirklich nerven. Wirklich nerven. Und am meisten tun sie das, wenn sie im Kopf sind. Also alles nochmal von vorne:

Klinik, CT und OP. Dieses Mal umfangreicher, so dass ich tatsächlich einen Tag vor Ort übernachtet habe. Zum Glück konnte ich ihn am nächsten Tag wieder mitnehmen. Mit einem gewissen Risiko, dass sie die Wunde nochmal öffnen kann, aber zu unser aller großen Glück, sind wir davon verschont geblieben. Die Bilder von diesem Zustand und seinem Kopf erspare ich euch lieber hier.

Hier sieht er schon wieder ganz gut aus. Die ersten Bilder möchte ich nicht zeigen.

Zur Zeit hält er sich tapfer und genießt jeden Tag und macht uns soviel Freude. Er bringt uns immer wieder zum Lachen und wir wundern uns genauso oft, was dieses kleine fellige Wesen für Überraschungen für uns bereit hält.

Wir hoffen inständig, dass es jetzt "hält" und dass wir mit ihm noch ein paar unbefangene Jahre vor uns haben. Ohne OPs, ohne Verletzung.



Willi -und was er uns beigebracht hat

Wenn mich jemand fragt, was wir von Willi lernen konnten: Willi hat gezeigt, wie es sich anfühlt, klar und deutlich für sich selbst zu handeln und vor allem, was es für den Umgang mit ihm und ähnlich angelegten Hunden bedeutet. Er war selbstbewusst, selbstbestimmt, konsequent, aber auch lustig und süß - wenn er wollte. Willensstark. Er hatte eine kaputte Hüfte und der Tierarzt hat sich gefragt, wie er überhaupt noch laufen konnte. Er hat sich nichts anmerken lassen. Das war sein Haltung. Er wollte es so.

Willi war Willi und entweder man nahm ihn wie er war - oder eben nicht.




Leo - Und was er uns beibringt

Wenn mich jemand fragt, was wir von Leo lernen können, dann sage ich spontan, es ist dieser bedingungsloser Optimismus. Freude an dem, was gerade ist, was es gerade zu genießen und zu erleben gibt und das, obwohl es irgendwie mal "am Kopf wehtut". Es ist unglaublich, wie dieser Hund trotz allem so fröhlich ist, sein Leben genießt und einfach den Tag lebt. Leo lehrt, das Jetzt zu leben.



Was sonst noch wichtig ist

Wir haben diese Zeit vor mit und zwischen den OPs nicht alleine durchgestanden. Da gab es viel Unterstützung.

Vielen Dank für die geradlinige, liebevolle und so wertvolle Unterstützung von Julia S. Danke, dass du immer für uns da bist und soviel Hilfe organisiert hast :) Irgendwie hast du ein Händchen dafür, Vier- und Zweibeiner zusammenzubringen, die zusammengehören" Danke auch für die Unterstützung durch "Fellchen in Not", die ebenfalls soviel Hilfe organisiert haben: http://www.fellchen-in-not.de/

Und hier gibt es eine weitere Zusammenfassung von Leos Vorgeschichte, Bilder, Videos… Leonas in Rumänien und seine Reise


 

Ich bin Bettina und zeichne leidenschaftlich gern Tierportraits in Pastelltechnik, aber auch bunt in Aquarell-Mischtechnik. Digital bin ich ebenfalls unterwegs und erstelle "tierische" Grafiken.

Wenn du Interesse hast, erfahren möchtest, wie du zu deinem eigenen Tierportrait kommst oder wie ich dir sonst helfen kann, melde dich gerne. Ich freue mich auf deine Nachricht. info@bettinakroeger.de